FORMVERLUST

seit 19-03-2015

Der Gürtel als solcher ist zunächst Gebrauchsgegenstand. Ob als Modeaccessoire oder zum besseren Sitz der Kleidung, dient er im Allgemeinen als Element des Zusammenhalts.

Roberto Palau interessiert sich für die Verformungen und Anpassungen der Materialien, die sich über lange Zeiträume bei dem Gebrauch von Dingen ergeben und somit ohne zu viel zu verraten, Spielraum für Interpretationen geben.

Der Ledergürtel als täglicher Begleiter verweist auf seinen individuellen Träger, der ihn irgendwann abgetragen hat. Er legt also eines Tages seinen Dienst ab und Palau macht diese Tatsache zum Gegenstand seiner Arbeit. Sein künstlerisches Interesse besteht darin, das Vergangene oder oft sogar Verlorene wieder aufzugreifen und für einen Augenblick noch einmal aufleben zu lassen.

Die Neugierde an der Zeit und an der Vergänglichkeit, welche er nicht so einfach hinnehmen möchte, wird immer wieder erkennbar. Ob in seinen Sammlungen von Dingen mit Loch, Kronkorken, schwarzen Teilen oder eben ausgedienten Gürteln. Der Künstler macht vor nichts halt, dem er nicht noch einen Hauch von Sinnlichkeit entfesseln kann.

Entgegen der Erwartung des Künstlers kamen bei dem Aufruf, ausgediente Gürtel in eine Box neben dem Schaukasten WOB zu spenden, mehr in Massen produzierte Mode-, als abgetragene Ledergürtel zusammen, was vielleicht als ein Indiz für unsere Wegwerfgesellschaft gedeutet werden kann.

Die Ausstellung „Formverlust“, die seit dem 19. März 2015 den Schaukasten WOB bespielt, spiegelt ein Stück unserer Alltagskultur wider.